Bewertungen im Recruiting zählen für lokale Handwerksbetriebe deshalb, weil der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) aktuell rund 250.000 offene Stellen im Handwerk zählt, während laut einer wissenschaftlichen Studie der Wirtschaftsuniversität Wien 83,2 Prozent der Bewerber die Antworten von Arbeitgebern auf Kununu-Bewertungen lesen, bevor sie sich für oder gegen eine Bewerbung entscheiden. Anders als bei Kundenbewertungen geht es hier nicht um Sichtbarkeit in der Suche, sondern um das Vertrauen künftiger Azubis und Fachkräfte – und in einem derart angespannten Bewerbermarkt kann eine unbeantwortete schlechte Bewertung reale Bewerbungen kosten, auch bei einem kleinen Betrieb mit nur einer Handvoll Mitarbeitenden.
Der Bewerbermarkt im Handwerk: Zahlen, die die Dringlichkeit zeigen
Der ZDH nennt für die aktuelle Lage im Handwerk drei konkrete Zahlen: „Insgesamt sind derzeit geschätzt rund 250.000 Stellen im Handwerk offen“, dazu kommen „125.000 ausstehende Betriebsnachfolgen in den nächsten 5 Jahren“ und im Schnitt „20.000 Ausbildungsplätze“, die unbesetzt bleiben. Bereits seit 2015 gibt es laut Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) in handwerklichen Berufen mehr offene Stellen als arbeitslose Handwerkerinnen und Handwerker. Praktisch bedeutet das: Nicht der Betrieb wählt aus vielen Bewerbungen aus, sondern umgekehrt vergleichen Bewerber mehrere Betriebe miteinander – und ein schnell einsehbares Kununu-Profil ist dabei oft der erste Anhaltspunkt, noch vor dem persönlichen Gespräch.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Offene Stellen im Handwerk | rund 250.000 |
| Ausstehende Betriebsnachfolgen (5 Jahre) | rund 125.000 |
| Unbesetzte Ausbildungsplätze pro Jahr | rund 20.000 |
Was die Wissenschaft zeigt: Bewertungsportale als Teil der Bewerbungsentscheidung
Eine Studie des Trendence Instituts im Auftrag eines interuniversitären Forschungsteams um Professor Wolfgang Mayrhofer (Wirtschaftsuniversität Wien) und Markus Latzke (IMC Fachhochschule Krems) befragte 1.528 Bewerberinnen und Bewerber, davon 1.050 Nutzer von Bewertungsportalen wie Kununu. Das zentrale Ergebnis: 83,2 Prozent der Bewerber lesen auch die Antworten der Unternehmen auf Plattformen wie Kununu, 46,4 Prozent tun dies sogar oft oder immer. Professor Mayrhofer fasst die praktische Konsequenz zusammen: Arbeitgeber können mit einer souveränen, sachlichen Antwort auf Kritik viel erreichen – wichtig sei dabei, dass die Antwort nicht nur für die verfassende Person geschrieben wird, sondern für alle Mitlesenden. Ein Beispiel zur Einordnung: Ein Zimmererbetrieb mit acht Mitarbeitenden erhält eine Kununu-Bewertung, die lange Arbeitstage in der Sommersaison kritisiert. Der Betrieb antwortet sachlich, bestätigt den saisonalen Rhythmus und ergänzt konkret, wie Überstunden ausgeglichen werden – genau diese Antwort lesen künftige Bewerber laut Studie mit einer Wahrscheinlichkeit von über 80 Prozent mit, lange bevor sie sich überhaupt bewerben.
Welche Plattformen für Handwerksbetriebe überhaupt relevant sind
Im deutschsprachigen Raum dominiert für Arbeitgeberbewertungen eine einzelne Plattform klar, anders als bei Kundenbewertungen mit ihrer breiteren Streuung.
| Plattform | Einordnung für Handwerksbetriebe |
|---|---|
| Kununu | Im DACH-Raum die mit Abstand meistgenutzte Plattform, Pflicht-Check |
| Glassdoor | International stark, im deutschen Handwerksumfeld nachrangig |
| Indeed-Bewertungen | An eigene Stellenanzeigen gekoppelt, bei aktiver Stellensuche relevant |
| Google-Bewertungen | Primär kundenbezogen, wird von Bewerbern aber häufig mitgelesen |
Wie ein Betrieb mit wenigen Bewertungen trotzdem punktet
Bei Arbeitgeberbewertungen kehrt sich ein Effekt aus dem Kundenbereich um: Während bei Kundenbewertungen eine größere Anzahl generell mehr Vertrauen schafft, fällt bei Kununu-Profilen mit wenigen Bewertungen jede einzelne davon überproportional stark ins Gewicht – im Guten wie im Schlechten. Ein Betrieb mit nur drei Bewertungen, von denen eine unbeantwortet negativ ist, zeigt Interessenten damit einen Drittel negative Erfahrungen, ganz unabhängig von der tatsächlichen Stimmung in der Belegschaft. Ein Beispiel zur Einordnung: Ein Sanitärbetrieb mit zwölf Mitarbeitenden bittet ehemalige Auszubildende nach erfolgreichem Abschluss aktiv um eine ehrliche Bewertung – so entstehen innerhalb weniger Monate fünf bis sechs Bewertungen, die ein deutlich vollständigeres Bild zeichnen als eine einzelne, Jahre alte Kritik. Wie sich eine sachliche Antwort auf negative Kritik grundsätzlich aufbaut, zeigt unser separater Ratgeber dazu – die gleichen Prinzipien lassen sich direkt auf Kununu übertragen. Fertige Formulierungsansätze für unterschiedliche Bewertungstypen liefert unser Ratgeber mit Antwort-Vorlagen.
Interaktiv: Ist Kununu für Ihren Betrieb schon ein Thema?
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Fazit: Arbeitgeberbewertungen sind kein Konzern-Thema
In einem Bewerbermarkt mit rund 250.000 offenen Stellen im Handwerk kann sich kein Betrieb mehr leisten, Kununu & Co. zu ignorieren – unabhängig von der eigenen Größe. Die Wissenschaft zeigt klar: Bewerber lesen mit, wie ein Betrieb auf Kritik reagiert, und ziehen daraus Rückschlüsse für die eigene Entscheidung. Wie growen die digitale Sichtbarkeit von Handwerksbetrieben insgesamt aufbaut, zeigt unsere Seite zur lokalen Google-Sichtbarkeit.