Ein reiner Agenturwechsel verursacht keine Rankingverluste, solange Website und URLs unverändert bleiben — Google sieht dabei technisch überhaupt keine Veränderung. Die eigentlichen Risiken entstehen durch das, was häufig gleichzeitig passiert: eine Publikationspause während der Übergabe, ein zeitgleicher Website-Relaunch oder eine Lücke beim Zugriff auf Search Console und Google-Unternehmensprofil.
Der Mythos: Verursacht der Wechsel selbst Rankingverluste?
Googles eigene Anleitung zu Website-Umzügen warnt ausdrücklich: „Expect temporary fluctuation in site ranking during the move. With any significant change to a site, you may experience ranking fluctuations while Google recrawls and reindexes your site.“ Entscheidend ist die Formulierung „significant change to a site“ — gemeint sind URL- oder Domain-Änderungen, nicht ein Wechsel des Ansprechpartners hinter den Kulissen. Bleiben Domain, URLs und Inhalte unverändert, hat Google schlicht nichts, das neu bewertet werden müsste. Selbst bei einem echten Website-Umzug gilt laut Google zudem: „301 and other permanent redirects don’t cause a loss in PageRank“ — korrekt umgesetzte Weiterleitungen erhalten den bestehenden Wert, sie kosten ihn nicht. Was genau bei einer echten technischen Migration zu beachten ist, damit URL-Änderungen nicht doch Rankings gefährden, erklärt unser separater Ratgeber zum Website-Relaunch.
Ein Beispiel zur Einordnung: Ein Betrieb wechselt im März die Agentur, Website und URLs bleiben exakt gleich, nur Zugänge und Ansprechpartner ändern sich. In der Google Search Console verändert sich dadurch nichts messbar — weder Klicks noch Impressionen reagieren auf einen reinen Anbieterwechsel. Würde derselbe Betrieb im selben Monat zusätzlich auf ein neues CMS mit neuer URL-Struktur wechseln, sähe das Bild völlig anders aus, weil dann tatsächlich „a significant change to a site“ im Sinne der Google-Anleitung vorläge.
Die vier echten Risikofaktoren beim Wechsel
- Publikations-Pause während der Übergabe: Zwischen Kündigung der alten und Start der neuen Agentur entsteht oft eine Lücke von mehreren Wochen, in der niemand neue Inhalte veröffentlicht oder Bewertungen beantwortet — das bremst zwar keine bestehenden Rankings abrupt, aber jede Wachstumsdynamik. Ein Betrieb, der monatlich eine neue Leistungsseite veröffentlicht hat, verliert bei zwei Monaten Pause nicht bestehende Sichtbarkeit, aber zwei Monate Fortschritt, die sich später nicht einfach nachholen lassen.
- Gleichzeitiger Website-Relaunch: Wird mit dem Agenturwechsel auch gleich die Website neu gebaut und die URL-Struktur geändert, greift genau die Google-Warnung zu Rankingschwankungen — dieses Risiko lässt sich vermeiden, indem Wechsel und Relaunch zeitlich getrennt werden.
- Zugangslücke bei Search Console und Google-Unternehmensprofil: Läuft die Search Console nicht auf Ihrem eigenen Konto, kann eine schlecht koordinierte Übergabe dazu führen, dass für Wochen niemand Zugriff auf aktuelle Daten hat — wie Sie das grundsätzlich vermeiden, zeigt unser Ratgeber zur Search-Console-Inhaberschaft.
- Verlorene Sichtbarkeits-Historie: Musste die alte Agentur mangels eigenem Zugriff eine komplett neue Property anlegen, gibt es für die neue Agentur keine historischen Vergleichsdaten mehr — ein Problem, das mit korrekt eingerichteten eigenen Konten von Anfang an gar nicht erst entsteht.
Die Übergabe-Checkliste: Was konkret weitergegeben werden muss
| Kategorie | Konkret |
|---|---|
| Zugänge | Search Console, Google-Unternehmensprofil, Analytics, CMS/Hosting-Login |
| Historie | Bisherige Berichte, Ranking-Verlauf, durchgeführte Maßnahmen der letzten 12 Monate |
| Content-Planung | Redaktionsplan, offene Entwürfe, geplante aber unveröffentlichte Seiten |
| Offene Punkte | Bekannte technische Probleme, laufende manuelle Maßnahmen, ungelöste Reklamationen |
Ein sauberer Übergang läuft in drei klar getrennten Phasen ab, nicht als abrupter Schnitt.
Empfohlener Zeitplan für einen nahtlosen Übergang
Zwei bis vier Wochen Überlappung sind realistisch: In dieser Zeit exportiert die alte Agentur Berichte und Daten, während die neue Agentur bereits mit den in unserem Ratgeber zum SEO-Erstgespräch beschriebenen Unterlagen die Ausgangslage prüft. Wichtig dabei: Ein Website-Relaunch oder eine URL-Umstrukturierung sollte frühestens einige Monate nach dem abgeschlossenen Agenturwechsel angegangen werden, nicht zeitgleich — so lässt sich klar zuordnen, welche Veränderung welchen Effekt hatte, falls doch einmal Schwankungen auftreten.
Die meisten Probleme beim Agenturwechsel sind hausgemacht, nicht technisch bedingt: Sie entstehen, weil niemand aktiv die Übergabe koordiniert, sondern beide Seiten stillschweigend davon ausgehen, dass „schon irgendwie alles ankommt“. Ein einziger kurzer Termin zu dritt — alte Agentur, neue Agentur, Betrieb — in dem Zugänge live übergeben und offene Punkte durchgesprochen werden, verhindert die meisten der oben genannten Risiken auf einen Schlag.
Erfolgte der Wechsel, weil die vorherige Agentur nicht geliefert hat, ist die Übergabe oft weniger kooperativ als hier beschrieben — welche Schritte davor sinnvoll sind, um trotzdem an die eigenen Daten zu kommen, erklärt unser Ratgeber: Was tun, wenn die SEO-Agentur nicht liefert? Bei einer neuen Agentur lohnt sich zudem, direkt zu Beginn dieselben Fragen zu klären wie beim ersten Vertragsabschluss — unser Ratgeber mit 10 Fragen vor Vertragsabschluss eignet sich dafür genauso gut beim Wechsel wie beim Erstauftrag.
Wie growen neue Kunden in einem laufenden Wechsel übernimmt, ohne dass Sichtbarkeit verloren geht, zeigt unsere Preise-Seite.