Eine seriöse SEO-Agentur erkennen Sie nicht an dem, was sie verspricht, sondern an dem, was sie nicht verspricht: keine Rankinggarantie in Wochen, keine geheime Formel, keine Vertragsbindung über Jahre. Die folgenden sieben Punkte lassen sich in wenigen Minuten prüfen — vor dem ersten Angebot oder mitten in einer laufenden Zusammenarbeit. Wenn noch unklar ist, ob überhaupt eine Agentur die richtige Wahl ist statt eines Freelancers, lohnt sich vorher ein Blick in unseren Vergleich zwischen Freelancer und Agentur. Wer sogar noch grundsätzlicher überlegt, ob externe Hilfe überhaupt nötig ist, findet in unserem Ratgeber zu SEO selbst machen oder Agentur eine realistische Einschätzung.
1. Sitzt die Agentur wirklich dort, wo sie wirbt?
Der einfachste Check zuerst: Impressum öffnen und Firmensitz mit der beworbenen Stadt vergleichen. Das klingt banal, ist es aber nicht. In einer eigenen Auswertung von 1.850 Local-Pack- und Ranking-Positionen in 30 deutschen Großstädten saß bei SEO-/Werbeagenturen nur 73 % der Anbieter tatsächlich am Ort, für den sie ranken — weniger als bei Steuerberatern (92 %) oder Anwaltskanzleien (90 %). Zwei Beispiele aus der Studie: Für „SEO Agentur Stuttgart“ liegt eine Kartenbox-Position (Local Pack) mit 0711-Vorwahl auf Platz eins — Firmensitz laut Impressum: Dubai. Für „SEO Agentur Hamburg“ wirbt ein Anbieter mit 040-Vorwahl — Sitz laut Impressum: Sofia.
Das bedeutet nicht automatisch Betrug — es bedeutet, dass die Agentur die eigenen Methoden zuerst an sich selbst anwendet, nur eben so, dass es Ihnen nicht auffällt, wenn Sie nicht nachsehen. Wer im eigenen Marketing genau das tut, wovor er Sie eigentlich schützen soll, verdient einen zweiten Blick auf alles andere.
2. Rankingversprechen mit fester Zeitangabe
„Platz 1 in 4 Wochen“ ist bei jeder Google-Suche derselbe Warnsatz. Niemand kontrolliert den Google-Algorithmus, auch keine Agentur mit zwanzig Jahren Erfahrung — warum das so ist und welche drei Tricks meist hinter einer angeblichen Garantie stecken, erklärt unser Ratgeber zur Rankinggarantie. Realistische Aussagen klingen unspektakulärer: erste Bewegungen nach 6 bis 12 Wochen, spürbare Effekte häufig erst nach vier bis sechs Monaten — abhängig von Wettbewerb, Historie der Domain und wie viel echte Substanz (Inhalte, Bewertungen, Struktur) bereits vorhanden ist. Je bestimmter die Zeitangabe, desto unsicherer sollten Sie werden.
3. Wem gehören die Daten am Ende?
Fragen Sie konkret: Läuft die Google Search Console auf Ihrem eigenen Google-Konto oder auf einem Agenturkonto, zu dem Sie nur „Zugriff“ bekommen? Ebenso beim Google-Unternehmensprofil und bei Analytics. Seriöse Arbeit läuft auf Ihrem Konto, mit Ihnen als Inhaber — Sie können jederzeit selbst nachsehen, welche Suchanfragen tatsächlich Klicks bringen, auch ohne die Agentur zu fragen. Läuft alles über ein Agenturkonto, sind Sie im Zweifel raus, sobald der Vertrag endet — Rankings, Bewertungshistorie und Profil-Konfiguration eingeschlossen. Genau dieser eigene Zugang lässt sich auch nutzen, um monatlich selbst zu prüfen, was tatsächlich passiert — wie, zeigt unser Ratgeber zur monatlichen Leistung einer SEO-Agentur.
4. Vertragslaufzeit und Kündigungsfrist
Zwölf- oder 24-Monats-Verträge mit langer Kündigungsfrist sind in der Branche üblich — aber ein Warnsignal, keine Normalität. SEO braucht Zeit, das stimmt. Das rechtfertigt aber keine lange Vertragsbindung, nur realistische Erwartungen an die Ergebniszeit. Eine Agentur, die von ihrer eigenen Arbeit überzeugt ist, braucht keine Kündigungsfrist, um Kunden zu halten. Worauf Sie bei Laufzeit, Kündigungsfrist und automatischer Verlängerung konkret achten sollten, erklärt unser Ratgeber zum SEO-Vertrag.
5. Preistransparenz statt „individuelles Angebot“
Eine grobe Preisspanne für den eigenen Leistungsumfang lässt sich immer nennen — „Website-Erstellung liegt bei uns zwischen X und Y“, „laufende Betreuung ab Z im Monat“. Wer ausschließlich mit „kommt aufs Gespräch an“ antwortet, ohne danach überhaupt eine Hausnummer zu liefern, verschiebt die Preisverhandlung bewusst auf einen Zeitpunkt, an dem Sie bereits Zeit investiert haben und sich schwerer zurückziehen. Realistische Preisspannen für Aufbau und laufende Betreuung finden Sie in unserem Ratgeber zu SEO-Kosten. Ab welchem Preis ein Angebot rechnerisch nicht mehr aufgeht, zeigt unser Ratgeber zum Risiko bei günstigen Angeboten.
6. Echte Inhalte oder ausgetauschte Ortsnamen?
Ein verräterisches Muster bei „Ortsseiten“: eine Seite pro Stadt, identischer Text, nur der Stadtname wechselt. Google erkennt dieses Muster seit Jahren zuverlässig und wertet es ab — spätestens beim nächsten Core-Update verschwinden solche Seiten wieder. Fragen Sie konkret nach: eigenen Fotos statt Stockmaterial, echten Preisspannen statt Platzhaltern, echten Kundenfragen statt generischem Blindtext. Das lässt sich nicht in derselben Geschwindigkeit skalieren wie eine ausgetauschte Textvorlage — und genau daran liegt es, dass es funktioniert. Dasselbe Grundproblem – Design beziehungsweise Vorlage zuerst, Inhalt erst danach – zeigt sich auch bei der Website-Erstellung insgesamt, wie unser separater Ratgeber zu Struktur vor Design einordnet.
7. Strukturierte Daten, die tatsächlich geprüft wurden
Schema-Markup — die Auszeichnung, die z. B. Sternebewertungen oder FAQ-Boxen in den Suchergebnissen ermöglicht — wird oft blind per Plugin ausgerollt, ohne dass jemand das Ergebnis kontrolliert. Ein kurzer Test kostet Sie nichts: Lassen Sie sich zeigen, dass die eigene Seite den Rich-Results-Test von Google fehlerfrei besteht. Wenn niemand aus der Agentur diesen Test kennt, wurde das Markup nie kontrolliert.
Checkliste zum Abhaken
- Firmensitz laut Impressum passt zur beworbenen Stadt
- Keine feste Zeitangabe für ein bestimmtes Ranking
- Search Console, Analytics und Google-Unternehmensprofil laufen auf Ihrem eigenen Konto
- Kündigungsfrist von einem Monat oder weniger ist möglich
- Eine grobe Preisspanne wird ungefragt genannt
- Eigene Fotos, echte Preise, echte Kundenfragen statt Textbausteinen
- Strukturierte Daten bestehen den Rich-Results-Test nachweislich
Was sich seit der KI-Suche zusätzlich geändert hat
Ein neuer Prüfpunkt kommt hinzu: Kunden fragen zunehmend ChatGPT, Perplexity oder Gemini direkt nach einer Empfehlung — „empfiehl mir einen Anwalt in Hamburg“ —, statt zu googeln. Diese Systeme zitieren keine Rankings, sondern Textstellen mit konkreten, eindeutig zuordenbaren Fakten: Preise, Leistungen, Ortsangaben. Eine Agentur, die ausschließlich in klassischen Rankingpositionen denkt und von generativer Suche noch nichts gehört hat, optimiert für die Hälfte der Suche, die es heute gibt.
Keiner dieser sieben Punkte ist allein ein Ausschlusskriterium — zusammen ergeben sie ein Bild. Eine Agentur, die zwei oder drei davon nicht erfüllt, kann trotzdem gute Arbeit leisten. Erfüllt sie fünf oder mehr nicht, lohnt sich ein zweites Angebot woanders. Konkrete Formulierungen für das Erstgespräch liefert unser Ratgeber mit 10 Fragen vor Vertragsabschluss. Ein „Google Partner“-Badge oder ähnliche Siegel auf der Agentur-Website ersetzen diese Prüfung nicht — warum, erklärt unser Ratgeber zu SEO-Zertifikaten und Auszeichnungen.
Wie wir selbst arbeiten — mit Search-Console-Zugriff auf Ihrem eigenen Konto, echten Inhalten statt Vorlagen und geprüfter Auszeichnung — zeigen wir auf der Seite zu unserer lokalen Google-Sichtbarkeit. Woran sich außerdem eine technisch solide Website erkennen lässt, unabhängig von der beauftragten Agentur, zeigt unser Ratgeber zu Baukasten oder individueller Website.