Die zehn wichtigsten Fragen vor einem SEO-Vertrag drehen sich um vier Themen: Zugriff auf die eigenen Daten, realistische Preise und Fristen, wer tatsächlich an Ihrem Konto arbeitet, und was bei einer Kündigung passiert. Wer eine Agentur zu diesen Punkten befragt, bevor unterschrieben wird, erkennt Probleme, bevor sie Geld kosten.
Dass Werbeversprechen und Realität dabei oft auseinanderfallen, zeigt unsere eigene Auswertung von 1.850 Local-Pack- und Ranking-Positionen in 30 deutschen Großstädten: Nur 73 % der werbenden SEO- und Werbeagenturen sitzen tatsächlich an dem Ort, für den sie ranken — weniger als bei Steuerberatern (92 %) oder Anwaltskanzleien (90 %). Ein professioneller Auftritt allein ist also kein Beleg dafür, dass Angaben stimmen — genau deshalb lohnt sich das direkte Nachfragen.
Die 10 Fragen auf einen Blick
- Welche Zugänge laufen auf meinem eigenen Konto?
- Können Sie mir eine grobe Preisspanne nennen, bevor wir ins Detail gehen?
- Garantieren Sie eine bestimmte Platzierung?
- Wer genau arbeitet an meinem Konto?
- Wie viele andere Kunden betreut diese Person parallel?
- Was passiert, wenn nach sechs Monaten keine Verbesserung sichtbar ist?
- Welche Kündigungsfrist und Mindestlaufzeit gilt?
- Können Sie mir zwei bis drei Referenzkunden nennen, die ich kontaktieren darf?
- Was gehört mir, wenn die Zusammenarbeit endet?
- Wie gehen Sie mit Sichtbarkeit in KI-Antworten wie ChatGPT oder Perplexity um?
1. Welche Zugänge laufen auf meinem eigenen Konto?
Google Search Console, Analytics und das Google-Unternehmensprofil sollten auf Ihrem eigenen Google-Konto eingerichtet sein, nicht auf einem Agenturkonto mit Ihnen als Gast. Google selbst rät in der eigenen Anleitung für die Beauftragung einer SEO-Agentur, während einer Prüfung zunächst nur Lesezugriff auf die Search Console zu vergeben, keinen Schreibzugriff. Mehr dazu, warum das auch nach Vertragsende entscheidend ist, in unserem Ratgeber zur seriösen SEO-Agentur. Am einfachsten klären Sie das schon vor dem ersten Termin — welche Unterlagen und Screenshots Sie dafür vorbereiten sollten, zeigt unser Ratgeber zum SEO-Erstgespräch. Warum diese Zugänge wirklich auf Ihrem eigenen Konto laufen sollten und nicht nur geliehen sind, erklärt unser Ratgeber zur Search-Console-Inhaberschaft.
2. Können Sie mir eine grobe Preisspanne nennen, bevor wir ins Detail gehen?
Eine seriöse Agentur kann eine Preisspanne für den eigenen Leistungsumfang nennen, ohne vorher ein 45-minütiges Verkaufsgespräch zu verlangen. Realistische Größenordnungen für Aufbau und laufende Betreuung finden Sie in unserem Ratgeber zu SEO-Kosten — als Vergleichsbasis, um ungewöhnlich hohe oder auffällig niedrige Angebote einzuordnen.
3. Garantieren Sie eine bestimmte Platzierung?
Die Antwort sollte immer Nein lauten. Google schreibt dazu in der eigenen Anleitung „Do You Need an SEO?“ wörtlich: „No one can guarantee a #1 ranking on Google.“ Niemand kontrolliert den Algorithmus — auch keine Agentur mit langjähriger Erfahrung. Wer trotzdem eine feste Platzierung verspricht, verkauft entweder bezahlte Werbung als organische Arbeit oder eine Zusage, die er nicht halten kann. Welche drei Tricks sich meist dahinter verbergen, erklärt unser Ratgeber zur Rankinggarantie. Welche konkreten Methoden Sie dabei nie beauftragen sollten, zeigt unser Ratgeber zu Black-Hat-SEO.
4. Wer genau arbeitet an meinem Konto?
Im Verkaufsgespräch sitzt oft die erfahrenste Person im Team — die tägliche Arbeit übernimmt danach nicht selten jemand anderes. Fragen Sie konkret nach Namen und Rolle der Person, die operativ an Ihrer Website arbeitet, nicht nur nach der Person, die den Vertrag verhandelt.
5. Wie viele andere Kunden betreut diese Person parallel?
Eine Person, die zwanzig Konten gleichzeitig betreut, kann Ihrem Betrieb objektiv weniger Zeit widmen als eine mit fünf. Das ist kein Ausschlusskriterium, aber ein Faktor, der direkt mit der Qualität der Betreuung zusammenhängt. Die gleiche Frage lohnt sich übrigens auch bei einem Freelancer statt einer Agentur — mehr dazu in unserem Vergleich zwischen Freelancer und Agentur.
6. Was passiert, wenn nach sechs Monaten keine Verbesserung sichtbar ist?
Eine gute Antwort erklärt, wie die Strategie dann angepasst wird und woran das überhaupt gemessen wird. Eine schlechte Antwort verweist vage auf „Google braucht eben Zeit“, ohne einen Plan zu nennen. Erste Bewegungen sind nach 6 bis 12 Wochen realistisch, spürbare Effekte oft erst nach vier bis sechs Monaten — wird auch nach deutlich längerer Zeit nichts erklärt oder angepasst, ist das ein Warnsignal. Was ein aussagekräftiger monatlicher Bericht konkret enthalten sollte, erklärt unser Ratgeber zur monatlichen Leistung einer SEO-Agentur. Verweist der Bericht stattdessen vor allem auf eine hohe Anzahl gerankter Keywords, lohnt sich ein genauerer Blick — warum diese Zahl allein wenig aussagt, zeigt unser Ratgeber zur Keyword-Anzahl im Reporting.
7. Welche Kündigungsfrist und Mindestlaufzeit gilt?
Zwölf- oder 24-Monats-Verträge mit langer Kündigungsfrist sind in der Branche üblich, aber ein Warnsignal, keine Normalität. SEO braucht Zeit — das rechtfertigt realistische Erwartungen an die Ergebniszeit, nicht automatisch eine lange Vertragsbindung. Details zu üblichen Fristen, der Falle der automatischen Verlängerung und Ihrem Recht auf außerordentliche Kündigung finden Sie in unserem Ratgeber zum SEO-Vertrag.
Vertrauen Sie dabei nicht allein auf Siegel oder Auszeichnungen auf der Agentur-Website — die meisten davon, allen voran das „Google Partner“-Badge, sagen wenig bis nichts über SEO-Kompetenz aus. Welche Zertifikate tatsächlich unabhängig geprüft werden, erklärt unser Ratgeber zu SEO-Zertifikaten und Auszeichnungen.
8. Können Sie mir zwei bis drei Referenzkunden nennen, die ich kontaktieren darf?
Nicht jede Agentur darf aus Vertraulichkeitsgründen jeden Kunden nennen, aber mindestens ein oder zwei Referenzen sollten drin sein. Fragen Sie die Referenz direkt nach Kommunikation, Ergebnissen und ob sie wieder unterschreiben würde.
9. Was gehört mir, wenn die Zusammenarbeit endet?
Domain, Hosting-Zugang, Inhalte und alle Konten sollten auf Ihren Namen laufen und Ihnen auch nach Vertragsende gehören. Bei Mietmodellen bleibt die Website Eigentum der Agentur — bei Kündigung verlieren Sie sie samt Inhalten. Klären Sie das schriftlich, bevor unterschrieben wird.
10. Wie gehen Sie mit Sichtbarkeit in KI-Antworten um?
Kunden fragen zunehmend ChatGPT, Perplexity oder Gemini direkt nach einer Empfehlung, statt zu googeln. Eine Agentur, die ausschließlich in klassischen Rankingpositionen denkt und von generativer Suche noch nichts gehört hat, optimiert für die Hälfte der Suche, die es heute gibt.
Eine Agentur, die zwei oder drei dieser Fragen nicht überzeugend beantwortet, kann trotzdem gute Arbeit leisten. Bleiben mehr als die Hälfte offen oder ausweichend, lohnt sich ein zweites Angebot woanders. Wie growen selbst mit Zugängen, Preisen und Zuständigkeiten umgeht, zeigt unsere Preise-Seite mit vollständig veröffentlichten Konditionen.