Für die meisten lokalen Handwerksbetriebe reichen 6 bis 10 Unterseiten: eine Startseite, eine Seite pro klar unterscheidbarer Kernleistung, eine Über-uns-Seite, eine Kontaktseite, eine Referenzen-Seite sowie Impressum und Datenschutz. Mehr Standorte oder Leistungen mit eigenem Suchvolumen rechtfertigen zusätzliche Seiten – aber die reine Seitenanzahl einer Website sagt für sich genommen wenig über ihre Sichtbarkeit aus, wie unsere eigene Auswertung realer Handwerksbetrieb-Websites weiter unten zeigt.
Die Kernstruktur, die für die meisten Betriebe ausreicht
Bevor über zusätzliche Unterseiten nachgedacht wird, lohnt sich der Blick auf die Basis: Diese sechs Seitentypen decken den Bedarf der meisten lokalen Handwerksbetriebe bereits vollständig ab. Wie eine einzelne Leistungsseite aufgebaut sein sollte, beschreibt der Ratgeber Leistungsseite schreiben.
| Seite | Zweck | Anzahl |
|---|---|---|
| Startseite | Erster Eindruck, Leistungsüberblick, Vertrauenssignale | 1 |
| Leistungsseiten | Eine Seite pro klar unterscheidbarer Kernleistung, nicht pro Variante | 1 pro Kernleistung |
| Über uns | Team, Qualifikationen, Werdegang des Betriebs | 1 |
| Referenzen | Abgeschlossene Projekte, Bewertungen, Vorher-Nachher | 1 |
| Kontakt | Formular, Telefonnummer, Anfahrt | 1 |
| Impressum & Datenschutz | Rechtlich verpflichtend | 2 |
Ein Beispiel zur Einordnung: Ein Elektrobetrieb mit den Kernleistungen Elektroinstallation, Photovoltaik und Smart Home kommt mit dieser Struktur auf 3 (Startseite, Über uns, Kontakt) + 3 (je eine Leistungsseite) + 1 (Referenzen) + 2 (rechtlich) = 9 Unterseiten – ausreichend, um jede Kernleistung einzeln für die passenden Suchanfragen zu optimieren, ohne die Website unnötig aufzublähen. Wie viele Fotos speziell die Referenzen-Seite dabei zeigen sollte, behandelt unser Ratgeber zur richtigen Foto-Anzahl. Eine siebte Kategorie kommt optional hinzu: redaktionelle Ratgeber-Inhalte zu echten Kundenfragen. Anders als reine Produktvarianten bedienen diese Seiten ein eigenständiges Suchvolumen, statt bestehende Leistungsseiten zu kannibalisieren – dazu mehr im Abschnitt zu den Fällen, in denen sich zusätzliche Unterseiten lohnen.
Warum mehr Unterseiten nicht automatisch mehr Sichtbarkeit bringen: unsere eigene Auswertung
Um die verbreitete Annahme „mehr Unterseiten gleich mehr Sichtbarkeit“ zu prüfen, haben wir fünf reale, öffentlich zugängliche Handwerksbetrieb-Websites aus der Region Aachen (zwei Dachdecker-, drei Elektrikerbetriebe) per Ahrefs Site Explorer ausgewertet: Anzahl der von Ahrefs erfassten Unterseiten im Vergleich zum geschätzten monatlichen organischen Traffic. Aus Rücksicht auf die einzelnen Betriebe sind die Ergebnisse anonymisiert.
| Betrieb | Unterseiten (Ahrefs) | Geschätzter org. Traffic/Monat | Rankende Keywords |
|---|---|---|---|
| Betrieb A (Elektriker) | 8 | 52 | 3 (davon 2 in Top 3) |
| Betrieb B (Dachdecker) | 8 | 31 | 1 |
| Betrieb C (Dachdecker) | 9 | 24 | 3 |
| Betrieb D (Elektriker) | 11 | 10 | 4 (davon 1 in Top 3) |
| Betrieb E (Elektriker) | 250 | 23 | 8 (davon 1 in Top 3) |
Das auffälligste Ergebnis: Betrieb E hat mit 250 Unterseiten – unter anderem Konfiguratoren, Rechner, Markenkataloge und Dutzende News-Artikel – mehr als 27-mal so viele Unterseiten wie Betrieb A, erzielt aber weniger geschätzten organischen Traffic als drei der vier deutlich kleineren Websites. Betrieb A kommt mit nur 8 fokussierten Unterseiten auf mehr als doppelt so viel Traffic wie Betrieb E. Die Seitenanzahl einer Website korreliert in dieser Stichprobe nicht mit ihrer Sichtbarkeit – die Relevanz jeder einzelnen Seite für eine tatsächlich gesuchte Frage schon.
Die Falle der Leistungs-Unterseite pro Variante
Welche Leistungen dagegen eine eigene Seite verdienen, beantwortet der Ratgeber Eigene Seite pro Leistung. Ein häufiger Fehler bei der Planung: Für jede Variante einer Leistung eine eigene Unterseite anzulegen, statt eine Kernleistung auf einer Seite gebündelt zu behandeln. Ein Beispiel zur Einordnung: Ein Dachdeckerbetrieb legt separate Unterseiten für „Dacheindeckung mit Tonziegeln“, „Dacheindeckung mit Betondachsteinen“ und „Dacheindeckung mit Schiefer“ an – drei fast identische Seiten mit demselben Kerntext und minimal unterschiedlichem Produktnamen. Für Google sind das potenziell konkurrierende, sich gegenseitig kannibalisierende Seiten ohne eigenständiges Suchvolumen; für den Betrieb bedeutet es dreifachen Pflegeaufwand. Sinnvoller: eine Seite „Dacheindeckung“ mit einem Abschnitt zu den Materialoptionen, ergänzt um eine eigene Seite nur dann, wenn ein Material selbst ein relevantes, eigenständiges Suchvolumen hat (zum Beispiel „Reetdach“ als eigene Handwerksdisziplin mit eigener Zielgruppe). Der Unterschied lässt sich an einer einfachen Kontrollfrage festmachen: Würde jemand genau nach diesem Begriff suchen, ohne die übergeordnete Leistung zu kennen? Bei „Reetdach“ lautet die Antwort ja, bei „Dacheindeckung mit Betondachsteinen“ in aller Regel nein.
Wann zusätzliche Unterseiten sich wirklich lohnen
Drei Situationen rechtfertigen zusätzliche Unterseiten über die Kernstruktur hinaus:
Mehrere Standorte mit jeweils eigener Zielgruppe. Ein Betrieb mit Niederlassungen in Aachen und Düren braucht in der Regel je eine eigene Standortseite, weil Kunden lokal suchen („Elektriker Düren“) und Google jeden Standort einzeln einordnen soll. Wie sich das strukturell und rechtlich sauber umsetzen lässt, ohne Duplicate-Content-Probleme zu riskieren, zeigt unser separater Ratgeber zu Local SEO für Franchise- und Filialbetriebe.
Leistungen mit eigenem, nachweisbarem Suchvolumen. Wenn „Dachsanierung“ und „Flachdachabdichtung“ beide über ein eigenständiges monatliches Suchvolumen verfügen und unterschiedliche Kundenanliegen bedienen, rechtfertigt das zwei getrennte Seiten statt eines gemeinsamen Abschnitts.
Redaktionelle Ratgeber-Inhalte zu echten Kundenfragen. Anders als reine Produktvarianten beantworten gute Ratgeber-Artikel eigenständige Fragen („Wie lange dauert eine Dachsanierung?“) und ziehen dadurch eigenes Suchvolumen an, statt bestehende Seiten zu kannibalisieren. Wie viel Zeit sich eine solche zusätzliche Sichtbarkeit über Content überhaupt lohnt, erklärt unser separater Ratgeber zur Wirkungsdauer von Local SEO.
Interaktiv: Wie viele Unterseiten braucht Ihr Betrieb?
Stellen Sie die Anzahl Ihrer klar unterscheidbaren Kernleistungen und Standorte ein, um eine grobe Orientierung zu erhalten:
Fazit: Struktur vor Umfang
Wie viele Unterseiten eine Betriebs-Website wirklich braucht, hängt nicht von einer pauschalen Zahl ab, sondern von der Anzahl klar unterscheidbarer Kernleistungen und Standorte - für die meisten lokalen Handwerksbetriebe sind das 6 bis 10 Seiten. Unsere eigene Auswertung zeigt: Eine Website mit dem 27-fachen an Unterseiten muss deshalb nicht sichtbarer sein, sie kann sogar deutlich dahinter zurückbleiben, wenn viele dieser Seiten kein eigenständiges Suchvolumen bedienen. Damit jede dieser Seiten gefunden wird, braucht sie mindestens einen Link von einer anderen Seite, wie der Ratgeber Interne Verlinkung für kleine Websites zeigt. Ob sich für den eigenen Betrieb eine individuell entwickelte Website oder ein Baukasten-System eher lohnt, zeigt unser separater Ratgeber dazu. Worauf bei einem Angebot für eine neue Website zu achten ist, erklärt unser Ratgeber zum seriösen Website-Angebot.