Generische Stockfotos schaden einer Website nicht über das Ranking, sondern über das Vertrauen: Die Nielsen Norman Group beobachtete, dass rein dekorative Fotos kaum betrachtet werden, Fotos echter Menschen und Produkte dagegen schon. Ein Beleg für eine Abstrafung durch Google ist uns in den gelesenen Dokumenten nicht begegnet. Bei den 26 Betriebs-Websites, die wir geprüft haben, zeigten 8 Spuren von Stockfotos, auf 4 von 20 Über-uns-Seiten stand sogar der Copyright-Hinweis eines Stockfoto-Anbieters. Die Zahlen sind eine Untergrenze, denn nicht jedes Stockfoto trägt einen Hinweis.
Was Besucher mit Stockfotos machen
In der Eyetracking-Auswertung Photos as Web Content der Nielsen Norman Group werden große, rein schmückende Bilder kaum beachtet, der Autor nennt das „jazzed-up = ignored“. Ein Foto auf der Bewerbungsseite einer Hochschule wurde kaum angesehen, er nennt es reinen Füllinhalt. Fotos echter Menschen und Produkte zogen dagegen Aufmerksamkeit: Ein Testnutzer betrachtete bei einem Anbieter die Porträtfotos 10 Prozent länger als die Biografien, obwohl diese 316 Prozent mehr Platz einnahmen. Der Artikel nennt keine Teilnehmerzahl und stützt sich auf einzelne Testnutzer, er zeigt also eine Tendenz, keinen Messwert. Die Empfehlung lautet: echte Mitarbeiter und echte Produkte statt Stockfotos. Wie das für Betriebe aussieht, beschreibt der Ratgeber Eigene Fotos statt Stockmaterial.
Eigene Auswertung: Wie häufig sind Stockfotos auf Betriebs-Websites?
Wir haben bei 26 Betriebs-Websites bis zu sechs Seiten, insgesamt 133, nach sichtbaren Hinweisen auf Stockfotos durchsucht: Copyright-Zeilen im Seitentext und Anbieternamen in Bildpfaden. Das Diagramm zeigt die Anteile:
Anteil mit erkennbarem Hinweis auf Stockfotos, jeweils als Untergrenze.
Bei 8 von 26 Websites fanden wir Spuren, auf 18 von 133 Seiten. Die Hinweise verteilen sich so:
| Hinweis | Woran Sie es erkennen | Gefunden bei |
|---|---|---|
| Copyright-Zeile eines Stockfoto-Anbieters | „©Name – stock.adobe.com“ im Seitentext | 5 von 26 Websites |
| Dateiname eines Anbieters | „iStock-1782114985“ im Bildpfad | 1 von 26 Websites |
| Dateiname eines Bilderdienstes | „pexels-photo-…“ im Bildpfad | 2 von 26 Websites |
Auffällig ist, wo die Hinweise stehen: Bei einer Website mit Team-Seite stand der Copyright-Hinweis eines Anbieters auch auf der Seite „Unser kompetentes Team“, bei einer anderen trugen 12 Kopfbilder den Dateinamen eines Anbieters. Vier Websites derselben Vorlage zeigen auf der Über-uns-Seite ein Stockbild. Das widerspricht der Frage, wer hinter dem Betrieb steht, wie der Ratgeber Über-uns-Seite: Warum sie für E-E-A-T wichtiger ist, als viele denken beschreibt. Die Einschränkungen: Wir erkennen nur markierte Stockfotos, ein Dateiname lässt sich ändern, und ein Stockfoto an der richtigen Stelle ist kein Fehler.
Wo Stockfotos stören und wo nicht
Das Problem ist nicht jedes Stockbild, sondern das Stockbild an der Stelle, an der Besucher einen Beleg erwarten. Die Tabelle ordnet nach Bildort (unsere Einschätzung, keine Vorgabe von Google):
| Bildort | Stockfoto sinnvoll? | Warum |
|---|---|---|
| Team und Über-uns-Seite | Nein | Besucher suchen die echten Personen, ein Foto-Model beantwortet die Frage „Wer?“ nicht |
| Referenzen und Projekte | Nein | Der Beleg ist die eigene Arbeit |
| Leistungsseite | Nur ergänzend | Ein eigenes Foto der Leistung zeigt mehr als ein Symbolbild |
| Startseite, Hauptbild | Besser eigenes | Der erste Eindruck gehört dem Betrieb |
| Hintergrund, Muster, Icons | Ja | Rein dekorative Flächen tragen keine Aussage |
Bei Referenzen und Projekten ist das Foto selbst der Beleg, wie der Ratgeber Fallbeispiele und Referenzen richtig präsentieren zeigt. Jedes ersetzte Bild braucht einen Alt-Text, wie der Ratgeber Alt-Text für Bilder erklärt, und eine passende Dateigröße, wie der Ratgeber Bilder für die Website optimieren beschreibt. Wie Sie die Aufnahmen ohne Fotostudio machen, steht im Ratgeber Website-Fotos für Betriebe.
Ein zweiter Grund gegen anonyme Stockbilder ist die Wiedererkennbarkeit: Dasselbe Bild kann auf vielen anderen Websites stehen, auch bei Wettbewerbern. Mit der Bildersuche von Google können Sie prüfen, ob ein Foto an anderer Stelle auftaucht. Dazu kommt die Lizenz: Stockfoto-Anbieter knüpfen die Nutzung an Bedingungen, etwa eine Quellenangabe oder eine bestimmte Lizenzart. Prüfen Sie diese Bedingungen, bevor Sie ein Bild behalten, und kopieren Sie nie Fotos aus Suchergebnissen. Wer ohnehin eigene Aufnahmen macht, hat dieses Problem nicht.
Ein Foto-Audit in drei Schritten
Gehen Sie zuerst jede wichtige Seite durch und prüfen Sie, ob das Bild zu Ihrem Betrieb gehört. Suchen Sie danach im Seitenquelltext oder in der Mediathek nach Dateinamen wie „iStock“, „AdobeStock“ oder „pexels“ und nach Copyright-Zeilen. Ersetzen Sie zuletzt die Bilder in der Reihenfolge Team, Referenzen, Leistungsseiten, Startseite. Ein Beispiel für die Wirkung: Ein Heizungsbetrieb tauscht das Stockbild eines lächelnden Models auf der Über-uns-Seite gegen ein Foto der drei Monteure vor dem Firmenwagen mit Namen darunter. Das Bild sagt nun, wer kommt, statt nur Stimmung zu erzeugen. Das Beispiel ist erfunden, ob es mehr Anfragen bringt, belegt keine Auswertung. Wer die Umstellung nicht selbst übernehmen will, findet Unterstützung unter Content-Pflege.
Selbstcheck: Wo steht auf Ihrer Website ein Stockfoto?
Haken Sie an, wo auf Ihrer Website Stockfotos stehen:
Fazit: Echte Bilder dort, wo Besucher einen Beleg suchen
Stockfotos schaden nicht pauschal, aber an den Stellen, an denen Besucher Beweise suchen, wirken sie wie Füllinhalt. Wer zuerst Team, Referenzen und Leistungsseiten mit eigenen Fotos ausstattet, setzt die Stockbilder dort ein, wo sie harmlos sind, nämlich als Dekoration. Beginnen Sie diese Woche mit einem einzigen Bild: dem Foto der Inhaberin oder des Inhabers auf der Über-uns-Seite, denn auf nur 10 von 20 geprüften Über-uns-Seiten stand überhaupt eine Person mit Namen. Das passt zum E-E-A-T-Gedanken, den der Ratgeber E-E-A-T einfach erklärt beschreibt. Ob eigene Fotos mehr Anfragen bringen, zeigt unsere Auswertung nicht, sie zeigt nur, wie oft Stockbilder zu erkennen sind.