Kurze Antwort zuerst: Ein Google-Unternehmensprofil reicht, wenn Kunden Sie ausschließlich über die Kartenbox finden und sofort anrufen oder vorbeikommen, ohne vorher zu vergleichen. Sobald Kunden vor der Kontaktaufnahme vergleichen, sich über Preise informieren oder Sie über eine andere Suchanfrage als Ihren Firmennamen finden sollen, reicht das Profil allein nicht mehr.
Was ein Google-Unternehmensprofil tatsächlich leistet
Das Google-Unternehmensprofil (früher „Google My Business“) ist kostenlos, schnell eingerichtet und sorgt dafür, dass Sie in der Kartenansicht — dem „Local Pack“ — unter einer lokalen Suchanfrage wie „Klempner Düren“ auftauchen, mit Öffnungszeiten, Telefonnummer, Route und Bewertungen. Für viele lokale Betriebe ist das der erste Kontaktpunkt überhaupt, noch vor jeder Website. Für reine Laufkundschaft oder Notdienste, bei denen die Entscheidung in Sekunden fällt, kann das bereits ausreichen.
Wo das Profil an Grenzen stößt
Vier Einschränkungen, die sich nicht per Einstellung beheben lassen:
- Keine eigene Domain, kein Eigentum. Das Profil gehört formal Ihnen, läuft aber komplett innerhalb der Google-Infrastruktur. Ändert Google Layout, Regeln oder Sichtbarkeit von Feldern, haben Sie keinen Einfluss darauf — anders als bei einer eigenen Seite.
- Ein Layout für alle. Sie können Fotos, eine kurze Beschreibung und Beiträge hinzufügen, aber keine eigene Struktur, keine Leistungsseite pro Angebot, keine Fallbeispiele, keinen Preisrechner.
- Rankt vor allem für die Kartenbox, kaum für die organische Liste darunter. Für Suchanfragen ohne klaren Ortsbezug oder für Vergleichssuchen — „Kosten Zahnimplantat“, „Unterschied Physiotherapie Osteopathie“ — taucht ein reines Profil in der Regel nicht auf. Dafür braucht es Inhalte, die diese Fragen tatsächlich beantworten.
- Keine Zitierfähigkeit in der KI-Suche. Wenn jemand ChatGPT, Perplexity oder Gemini nach einer Empfehlung fragt, zitieren diese Systeme Textstellen mit konkreten Fakten — Preise, Leistungen, Ablauf. Ein Profil mit drei Sätzen Beschreibung liefert dafür schlicht keinen Text.
Wann das Profil allein reicht
Realistisch für reine Notdienste (Schlüsseldienst, Rohrreinigung), sehr kleine Betriebe mit ausschließlich lokaler Laufkundschaft ohne nennenswerten Wettbewerb, oder als Übergangslösung in den ersten Wochen nach der Gründung. Wenn potenzielle Kunden ohnehin nur eine schnelle Antwort auf „ist offen?“ und „wie komme ich hin?“ brauchen, ist eine aufwendige Website erst einmal zweitrangig.
Wann sich eine eigene Website lohnt
Sobald einer dieser Punkte zutrifft, wird eine Website zum spürbaren Unterschied im Auftragsbuch, nicht nur zur Formalität:
- Kunden vergleichen mehrere Anbieter, bevor sie sich melden — etwa bei Sanierungsprojekten, Anwaltsmandaten oder Zahnimplantaten
- Sie bieten mehr als eine Leistung an, die jeweils für unterschiedliche Suchanfragen gefunden werden sollte
- Preistransparenz vor dem Erstkontakt würde unpassende Anfragen reduzieren
- Sie wollen auch für Suchanfragen ohne Ortsbezug gefunden werden, etwa Fachfragen rund um Ihre Leistung
- Sie wollen in KI-generierten Antworten überhaupt zitierfähig sein
Mini-Check: 5 Fragen für die Entscheidung
- Vergleichen Kunden vor dem ersten Kontakt mehrere Anbieter? Wenn ja: Website.
- Bieten Sie mehr als eine klar unterscheidbare Leistung an? Wenn ja: Website.
- Bekommen Sie häufig unpassende Anfragen, weil Preis oder Leistungsumfang unklar sind? Wenn ja: Website.
- Reicht Ihnen ausschließlich lokale Laufkundschaft ohne nennenswerten Wettbewerb? Wenn ja: Profil reicht vorerst.
- Wollen Sie auch gefunden werden, wenn jemand eine KI nach einer Empfehlung fragt statt zu googeln? Wenn ja: Website.
In der Praxis schließen sich beide nicht aus. Das Google-Unternehmensprofil bleibt auch mit eigener Website wichtig — für die Kartenbox und für Bewertungen. Die Website übernimmt den Teil, für den das Profil nie gebaut wurde: Vergleich, Vertrauen vor dem ersten Anruf und Sichtbarkeit über die Kartenbox hinaus.
Mehr dazu, wie wir Betriebe ohne eigenen Webauftritt von Grund auf aufbauen, auf der Seite zur Website-Erstellung für Betriebe. Ob sich dabei eher ein Baukasten oder eine individuell entwickelte Website lohnt, zeigt unser separater Ratgeber dazu.